Enttäuscht und zum Teil verbittert haben viele Reisebüros auf die Ankündigung von Alltours reagiert, die im Provisionsmodell 2019/2020 vereinbarte Malus-Regelung trotz Corona durchzuziehen. Der Ärger äußert sich nicht nur in den sozialen Netzwerken: Viele Reisebüros kontaktierten per E-Mail und Telefon auch die Redaktion von touristik aktuell sowie die Zentralen ihrer Kooperation.  

Etliche Reisebüros würden über TUI schimpfen, moniert etwa Ina Schild vom Berliner Reisebüro Tourent Reisen. Dabei sei das Vorgehen des Marktführers beim Thema Vergütung „transparent und fair“. Alltours dagegen ignoriere die Corona-Folgen völlig und fordere jetzt rückwirkend Provision zurück. Dieser Schritt sei für sie nicht nachvollziehbar.
Noch deutlicher formuliert es Ralf Waitschies vom Reisebüro Miramar in Reinbek. In einem Brief an die Geschäftsführung von Alltours weist er die „Provisionsanpassung für das abgelaufene Geschäftsjahr entschieden zurück“. Der Reisebüro-Inhaber verweist dabei darauf, dass sein Büro vor der Corona-Pandemie bei Alltours im Plus war und die nächste Umsatzstufe „locker geschafft“ hätte.

Sommer-Bonus kann Malus ausgleichen

Alltours-Inhaber Willi Verhuven gibt im Gespräch mit touristik aktuell zu, dass ihm die aktuelle Situation nicht behagt und das Modell deshalb für 2021 entsprechend angepasst wurde. In diesem Jahr halte man jedoch an bestehenden Verträgen fest – zumal man dem Vertrieb seit Ende Juni mit deutlich höheren Provisionen die Chance gegeben habe, die anstehende Malus-Zahlung abzuschwächen oder sogar auszugleichen.

So habe Alltours seit Ende Juni auf Neubuchungen 12 Prozent gezahlt, auf 140 ausgewählte Häuser – darunter die Anlagen der Allsun-Kette – habe es sogar 14 Prozent gegeben. Diese Angebote seien stark genutzt worden und würden dazu führen, dass nur „ein kleiner Teil der Büros“ vom aktuellen Malus betroffen sei. Wie viele Büros das sind, sagt Verhuven nicht. Im Schnitt gehe es um Forderungen in Höhe von 100 Euro.

Das Festhalten am Malus bei gleichzeitiger Chance auf Zusatzverdienste im Sommer begründet Verhuven mit notwendiger Steuerung in schwierigen Zeiten. Das habe funktioniert: „Wir konnten Buchungen generieren. Und viele Büros haben von den höheren Provisionen profitiert.“

Betroffen vom Malus sind Reisebüros, deren Umsatz unter 30.000 Euro rutschte. Sie müssen von den vereinbarten zehn Prozent Provision ein Prozent zurückzahlen. Agenturen, deren Umsatz unter 20.000 Euro sackte, erhalten dafür nur acht Prozent Provision.  

Aufschiebung der Verrechnung bis August

Um ihnen entgegenzukommen entschieden Verhuven und sein Vertriebschef Georg Welbers, die Rückzahlung frühestens ab August 2021 zu verrechnen. Für diesen Kompromiss hatten sich auch einige Kooperationen stark gemacht – ohne ihre Mitglieder damit gänzlich zu überzeugen.

Der August wurde gewählt, weil das Geschäft bis dahin „deutlich anziehen“ werde, zeigt sich Alltours-Inhaber Verhuven überzeugt. Gleichzeitig verweist er auf das Provisionsmodell für das laufende Geschäftsjahr: Mit dem gibt es künftig zehn Prozent Provision ab der ersten Buchung. Eine Malus-Klausel gibt es nicht mehr.  

Ob Verhuven damit Agenturen wie das Reisebüro Miramar als Vertriebspartner halten kann, ist offen. Inhaber Waitschies jedenfalls überlegt, ob er seine Agentur kündigt und „nur noch Reiseveranstalter unterstützt, die uns wohl gesonnen sind und unsere Arbeit wertschätzen“.
Den eigenen Kunden werde man gut erklären können, „wieso wir kein Alltours-Produkt mehr verkaufen“.

Für den Reinbeker Reiseprofi jedenfalls steht fest: Der Imageschaden von Alltours „ist immens“. Und das sei „äußerst schade“. Denn er habe höchsten Respekt vor der Arbeit Verhuvens – und eigentlich habe sich Alltours in dieser Pandemie bislang gut geschlagen und sei „nicht das schwarze Schaf der Branche“.

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