2020 sind wesentlich weniger förderfreie Photovoltaik-Projekte in Europa angekündigt worden. Der Kannibalisierungseffekt von Photovoltaik-Marktwerten und die Zahl von Stunden mit negativen Strompreisen hat deutlich zugenommen, wie die Berliner Analysten in ihrem aktuellen Marktbericht veröffentlichten. Allerdings sind diese Entwicklungen auf Effekte der Corona-Pandemie zurückzuführen, die Strommärkte haben sich bis zum 4. Quartal 2020 fast vollständig auf Vorkrisenniveau erholt.

2020 sind in Europa rund 12 Gigawatt an förderfreien Photovoltaik- und Windkraft-Projekten angekündigt worden. Gegenüber 2019 sei dabei ein Rückgang um rund 50 Prozent bei den Photovoltaik-Anlagen und 30 Prozent bei den Off- und Onshore-Windparks zu verzeichnen gewesen, heißt es in der der aktualisierten Analyse „Status quo: Market Parity Report von PV und Wind Onshore in Europa“ von Enervis. Eindeutiger Spitzenreiter in Europa, wenn es um mit Stromabnahmeverträgen (PPAs) finanzierte Photovoltaik-Projekte geht, ist Spanien. Dort verzeichnete Enervis eine Projektpipeline mit 2183 Megawatt und damit mehr als die Hälfte der angekündigten förderfreien Photovoltaik-Projekte in Europa. Dahinter folgen Deutschland und Frankreich mit 786 und 392 Megawatt mit deutlichem Abstand.

Wesentliche Ursache, warum der gerade in Fahrt gekommene PPA-Markt in Europa, 2020 zumindest vorübergehend massiv ausgebremst wurde, war die Corona-Pandemie sowie deren Auswirkungen auf die Strommärkte. Mit Beginn der ersten Lockdowns im März 2020 gingen die Großhandelspreise für Strom in den Keller, erholten sich zumeist jedoch im Jahresverlauf wieder. Europaweit sei ein Rückgang im Jahresverlauf um 25 Prozent zu verzeichnen gewesen. Hinzu kommt der um weitere 31 Prozent rückläufige Gaspreis. Nach starken Anstiegen für die CO2-Zertifikate in den Jahren 2018 und 2019 verzeichneten die Enervis-Analysten für 2020 eher eine Stagnation bei den Preisen. An den Terminmärkten für Strom zeichnete sich im Dezember 2020 bereits eine deutliche Erholung, zum Teil auf höheres Niveau als vor der Krise, ab.

Zugleich sanken auch die technologiespezifischen Marktwerte für Photovoltaik und Windkraft drastisch im vergangenen Jahr. In Deutschland etwa sank der Marktwert Solar im Jahresdurchschnitt auf rund 2,46 Cent pro Kilowattstunde – während er 2018 noch bei 4,3 Cent pro Kilowattstunde lag. Angesichts der darüber liegenden Stromgestehungskosten von Photovoltaik-Anlagen dämpft dies den PPA-Markt, da die Anlagen eben nur schwierig über den Stromverkauf zu refinanzieren sind. Die Analysten von Enervis schreiben jedoch in ihrem Bericht, dass sie von einer kurzfristigen Erholung der Marktwerte ausgehen. Allerdings habe der relative Marktwert der Photovoltaik 2020 deutlich abgenommen, was auch von sehr niedrigen Gaspreisen beeinflusst worden sei.

Eine signifikante Zunahme verzeichnete Enervis bei der Anzahl negativer Strompreise in den europäischen Ländern. In Deutschland stieg sie binnen Jahresfrist von 211 auf 298. In vielen anderen Ländern sei es 2020 erstmals zu negativen Strompreisen gekommen. Die Hauptursache liegt bei einer hohen Einspeisung aus Erneuerbaren-Anlagen bei gleichzeitig stark gesunkener Nachfrage infolge des Corona-Lockdowns. Die Zeiten negativer Strompreise wirken dämpfend auf die Marktwerte, da die Betreiber in diesen Stunden keine Einnahmen generieren können. Mittel- und Langfristig sieht Enervis daher auch zunehmendes Potenzial, förderfreie Erneuerbaren-Anlagen mit Flexibilitätsoptionen und Speicher auszurüsten.

„Eine zunehmende Anzahl an europäischen Märkten hat in den nächsten Jahren das Potenzial Marktparität zu erreichen, trotz pandemiebedingt temporär gesunkener Marktwerte im Jahr 2020. Risiken und Chancen einer Investition in ein förderfreies Erneuerbaren-Projekt sollten sorgfältig analysiert werden“, so die Einschätzung von Franziska Sicker, Consultant bei Enervis.

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