Was schreibt man heute noch über neue Photovoltaik-Batteriespeicher, wenn sie einen Preis gewinnen? Es gibt etliche ordentliche Geräte auf dem Markt. Dieses Produkt von Fronius gehört zu denen, die einen Blick wert sind. Das sagen die Juroren der pv magazine higlights und spotlights. Und das zeigt die Vorführung, die Franz Breitwieser anlässlich des Gewinns gegeben hat.

Franz Breitwieser macht es sichtlich Spaß, der Reihe nach Kappsäge, Stichsäge und Kaffeemaschine anzuschalten. „Die Kappsäge hat 1,7 Kilowatt“, sagt der Produktmanager für den „GEN24 Plus“, sprich Dschentwentyfour, bei Fronius. Und das liegt nicht daran, dass er gerade sägen will. Wir haben ein Webmeeting, damit er eine der Attraktionen des neuen Geräts vorführen und so gut es auf die Distanz geht, beweisen kann. Es geht darum, dass der Hybridwechselrichter über eine Steckdose selbst dann Notstrom bereitstellen kann, wenn keine Batterie angeschlossen ist. Natürlich vorausgesetzt, die Sonne scheint. Jetzt, um 16:30 Uhr nachmittags in der Umgebung des oberösterreichischen Wels, reicht die Leistung der Sieben-Kilowatt-Photovoltaik-Anlage auf seinem Privathaus dazu aus. „Wenn man eine Batterie anschließt, funktioniert das natürlich auch nachts“, sagt er.

In diesem Haus fehlt die Batterie noch, da die Photovoltaik-Anlage von 2017 ist und Franz Breitwieser eine respektable Vergütung für den eingespeisten Strom bekommt. Da um 16:30 Uhr die Sonne schon wieder tiefer steht, zeigt er die Antwort auf die andere Frage, die wir von pv magazine haben, per Handyfilm. Den hat er vor dem Webmeeting in einem Sonnenfenster aufgenommen, als sich die Wolken für einen Moment verzogen hatten. Immer wieder wird diskutiert und in einem pv magazine Webinar im Herbst 2018 für viele Geräte wurde es auch in Frage gestellt, ob ein Solar-Speichersystem auch leistungsstarke Drehstromgeräte antreiben kann, zum Beispiel Wärmepumpen, bei denen durch die Induktivitäten hohe Anlaufstromspitzen versorgt werden müssen. Wir wollen wissen, ob das mit dem „GEN24“ klappt.

highlights und spotlights

Preis für gute Ideen

Neben den highlights haben wir mit der pv magazine Ausgabe März 2020 die Preis-Kategorie spotlight eingeführt. Damit wollen wir Produkte und Konzepte in Szene setzen, die aus Sicht der Juroren einen genaueren Blick lohnen und auf überzeugenden Ideen basieren. Anders als bei den „top innovation“- und „top business model“-highlights müssen sie nicht einzigartig oder neu sein, was für einen Markterfolg auch nicht unbedingt eine Voraussetzung ist.

Das sagt die Jury:

Fronius: Großer Effizienter im Sonnenfenster

Es zeichnet sich ein Trend im Heimspeichermarkt ab: leistungsstärkere Geräte, die die Notstromversorgung des gesamten Hauses auch wirklich übernehmen können. Die höhere Leistung wird sinnvoll, wenn Haushalte stärker elektrifiziert werden, mit Wärmepumpen und Elektroautos. In diesem Segment können sich die Anforderungen an die Effizienz ändern im Vergleich zu den kleineren Systemen. Fronius hat sich mit dem Hybridwechselrichter „GEN24“, der eine AC-Leistung von zehn Kilowatt hat, dem Effizienzvergleich unterzogen und schneidet sehr gut ab. Und auch beim Notstrom hat das Gerät zusätzliche Funktionalitäten. Wenn jemand noch keine Batterie anschließen will, funktioniert die netzfreie Versorgung auch nur über die Solarmodule ohne Speicher, solange die Sonne scheint. Die Jury hält das Produkt einen näheren Blick wert und vergibt dafür ein „pv magazine spotlight“.

Die Juroren
Volker Quaschning ist Professor für regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin. Hans Urban, Experte für Photovoltaik, Speichertechnik und E-Mobilität, berät Schletter, Maxsolar und Smart Power. Winfried Wahl leitet das Produktmanagement bei Longi Solar in Deutschland.

Mehr Infos, bisherige Preisträger und alles zur Bewerbung unter: www.pv-magazine.de/highlights
Einsendeschluss für die nächste Runde: 1. August 2020

Der Wechselrichter in Breitwiesers Keller blinkt. Zum Beweis, dass das Haus auch wirklich nicht mehr am Netz hängt, dient eine Kamera-Einstellung auf den Zählerkasten. Die LCD-Anzeige des Zählers ist aus. Die drei schwarzen Vorzählersicherungen sind abgeschaltet, die drei Nachzählersicherungen geöffnet. Das Licht im Kellerraum brennt trotzdem. „Im Haus sind 109 Watt Last aktuell“, liest er vom Laptopbildschirm ab. Der steht auf der Wärmepumpe, die er dann einschaltet. Es dauert etwas, bis sie hochfährt. Ein Blick von der Terrasse Richtung der nahe gelegenen Berge zeigt, dass die Sonne scheint und kein Wolkenzug droht. Zurück im Keller hört man schon, dass der Kompressor den Betrieb aufgenommen hat. „2,7 Kilowatt“, liest Breitwieser ab, ist die Leistungsaufnahme.

Der „GEN24 Plus“ von Fronius.

Foto: Fronius

Notstrom oder Ersatzstrom geht also. Nicht zuletzt diese Option hat die Jury davon überzeugt, das Gerät mit einem „pv magazine spotlight“ auszuzeichnen (siehe Kasten).

Auch sonst haben die Entwickler auf den ersten Blick Ordentliches abgeliefert. Zusammen mit einer Zehn-Kilowattstunden-Batterie liegt es in der neuen Kategorie „10 KWp“ der Speicherinspektion der HTW Berlin vorn. Diese neu geschaffene Kategorie vergleicht die Effizienz der Systeme anhand von Erzeugungs- und Lastprofilen für größere und stärker elektrifizierte Haushalte, die also zum Beispiel wegen einer Wärmepumpe einen höheren Stromverbrauch hatten.

„Wir liegen übrigens auch bei dem schon länger bestehenden Index für kleine Haushalte vorne“, sagt Breitwieser. Die Entwickler haben es anscheinend geschafft, eine hohe Lade- und Entladeeffizienz über einen hohen Bereich bis zur Maximalleistung von zehn Kilowatt zu erreichen. Sie sagen, das liege unter anderem daran, dass sie für den Hochsetzsteller Siliziumkarbid-Halbleiter verwenden und für die Leistungselektronik speziell auf Teillastwirkungsgrad optimierte IGBTs. Auch die Induktivitäten seien darauf getrimmt worden, dass sie möglichst wenig Verluste haben. Bei den Einschwingzeiten sieht es auf den ersten Blick nicht ganz so gut aus. Auf die Frage danach hat Breitwieser bereits im pv magazine Webinar am 26. Mai geantwortet. Die ersten 80 Prozent schwinge das System sehr schnell ein. Nur bei den restlichen 20 Prozent lasse es sich etwas mehr Zeit, das beeinflusse die Effizienz kaum. Der HTW-Index betrachtet am Ende sowieso die Auswirkung der einzelnen Parameter auf eine Art Gesamteffizienz, gemessen am ökonomischen Vorteil.

Volker Haider und Franz Breitwieser führen die Notstromfunktion per Webmeeting im Mai 2020 vor.

Screenshot: pv magazine

Neben Franz Breitwieser im Webmeeting dabei ist Volker Haider, Schulungsleiter bei Fronius. „Besonders an dem Gerät ist auch die aktive Kühlung“, sagt er. Diese führe dazu, dass es erst bei 45 Grad Umgebungstemperatur zu einer thermischen Abregelung komme. Der Ventilator des Geräts in Breitwiesers Kellerraum ist derweil aus. Er habe angeschaltet, als er den Wärmepumpenversuch durchgeführt habe, sagt er. Man höre ihn außerhalb des Kellerraums aber nicht.

Dann zieht eine Wolke auf und beendet die Webvorführung. Dass der Solarstrom nicht mehr ausreicht, kontrolliert Franz Breitwieser auch mit dem Monitoringportal, das sämtliche Energieflüsse, die durch das Gerät gehen, optisch darstellt. Selbst das macht ihm Spaß.

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