In der Hauptstadt ist die erste innerstädtische Supercharger-Station des kalifornischen Autobauers eingeweiht worden. Dazu kam selbst Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier auf den EUREF-Campus. Er sieht Tesla auf dem Weg zu einer deutschen Automarke.

“Wir sind alle Berliner!” So startet Jeroen van Tilburg, der bei Tesla für das Ladenetzwerk in Europa zuständig ist, seine Rede beim Launch des ersten städtischen Superchargers in Deutschland vergangenen Donnerstag im EUREF-Campus in Berlin. Nur eine halbe Stunde vom Standort entfernt baut Tesla in Grünheide ebenfalls im Eiltempo seine erste Gigafactory in Europa. Laut van Tilburg fühlen sich sämtliche Tesla-Mitarbeiter inzwischen wie John F. Kennedy, der bei seinem Berlin-Besuch 1963 den berühmten Spruch „Ich bin ein Berliner“ verkündete, um damit seine Verbundenheit mit Berlin zu untermauern.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier lobte Teslas Engagement in Deutschland.

Foto: Eckhart Gouras/pv magazine group

Seitens der Bundesregierung lobte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) das Engagement des kalifornischen Autobauers in Berlin, Brandenburg und Deutschland und sieht Tesla auf dem Weg zur deutschen Automarke. „Ich freue mich sehr, dass Tesla sich entschieden hat, in Brandenburg – nicht weit von hier in Grünheide – eine Gigafactory zu bauen für Elektroautos und hoffentlich auch für Batterien. Das ist ein grosses Vertrauen in den Standort Deutschland und umgekehrt der Standort Deutschland freut sich, das Tesla zu einer deutschen Marke wird“, erklärte er bei der offiziellen Einweihung der Supercharger. „Ich halte das für eine großartige Symbiose. Wir haben es in den vergangenen beiden Jahren geschafft, in Deutschland und in Frankreich und einigen anderen europäischen Ländern hoffnungsvolle Anfänge einer Infrastruktur für Batteriezellfertigung zu machen, eine Technologie, die wir lange verloren geglaubt haben, die in Deutschland nicht mehr beheimatet war und jetzt kehrt sie zurück“, so Altmaier weiter.

2024 werden nach seinen Worten 2000 Mitarbeiter bei Opel in Kaiserslautern Batteriezellen produzieren. BASF wird in Schwarzheide ebenfalls in Brandenburg ein grosses Kathodenwerk bauen. „Und wenn Elon Musk seine Gigafactory for Batteries hier baut, dann wird es ein ganz klares und deutliches Bekenntnis dazu sein, dass wir eben – vielleicht niemals die billigsten Batterien bauen können – aber vielleicht die smartesten, die besten, die man am ehesten recyclen kann, und die umweltverträglichsten. Das muss unser Ziel sein“, sagte der Bundeswirtschaftsminister.

Ob Tesla in Grünheide auch Batterien fertigen wird, ist noch ungewiss. Aber die Geschwindigkeit, mit der Tesla dort seine Produktionsstätte hochzieht, lässt auf weitere Schritte hoffen, um in Deutschland – ähnlich wie in der Photovoltaik – einen ernstzunehmenden Herstellermarkt für Batteriezellen und -Module zu schaffen.

pv magazine Deutschland berichtet umfangreich über neue Initiativen in der Photovoltaik- und Batterieherstellung in Deutschland und Europa in der aktuellen Septemberausgabe.

Die Ausgabe erscheint am 16. September.

Teslas Deutschland-Chef Simon Zwahlen lobte die verbesserten Rahmenbedingungen für die Elektromobilität hierzulande: „Deutschland hat das Ökosystem für Elektrofahrzeuge in den letzten Monaten stark verbessert und ist meiner Meinung nach in der besten Position zum Leitmarkt für Elektromobilität zu werden. Zudem helfen Nachfrage-getriebene Subventionen wie der Umweltbonus und die reduzierte Dienstwagensteuer für batterieelektrische Autos.“

Im August erreichte Teslas Model 3 den Spitzenplatz unter den neu zugelassenen reinen Elektroautos in Deutschland. Die seit 2013 deutschland- und europaweit ausgebaute Ladeinfrastruktur hat sicherlich dazu beigetragen, Tesla als neue deutsche Automarke im hart umkämpften deutschen Automarkt zu etablieren. Herzstück dieser Ladeinfrastruktur sind die 550 Supercharger Stationen in Europa, wovon 78 in Deutschland stehen. Die Supercharger Station im EUREF Campus ist das neuste Mitglied in diesem Netzwerk und nutzt eine grundsätzlich neue, sogenannte „V3 Ladetechnologie“, um laut Zwahlen eine Spitzenrate von 250 Kilowatt zu liefern.

Mit dieser neuen Ladetechnologie kann ein Model 3 in nur 5 Minuten Ladezeit 120 km neue Reichweite ergattern. Zwahlen zufolge haben in erster Linie lange Ladezeiten und begrenzte Reichweiten bisher dazu beigetragen, warum Autofahrer den Wechsel vom Verbrenner zum Elektroauto scheuen. Bei der Reichweite gibt es ebenfalls Fortschritte: So kann ein neuer Model S – ausgestattet mit einer erweiterten Reichweite – zumindest theoretisch vom EUREF-Campus ohne Zwischenstopp nach München fahren.

Die neue Supercharger-Station im EUREF-Campus sei zudem die erste innerstädtische Supercharger-Station in Deutschland. Weitere sollen laut Zwahlen dazukommen, um gerade für Tesla-Fahrer, die nicht im Büro oder zu Hause laden können, eine Ladeoption zu bieten. In ihrer Eröffnungsrede stellte EUREF-Vorstand Karin Teichmann klar, dass der Campus im Bereich Elektromobilität bereits Vorreiter sei und etwa schon 200 Ladepunkte zur Verfügung stellt. Sie lobte auch die Schnelligkeit mit der nicht nur Tesla, sondern auch die Stromnetz Berlin GmbH die nötigen Voraussetzungen für diesen ersten innerstädtischen Supercharger in Deutschland geschaffen habe. Berlin ist in den letzten Jahren nicht gerade mit Schnelligkeit bei Infrastrukturprojekten aufgefallen, aber vielleicht bietet die Energie- und Mobilitätswende eine Chance für die Hauptstadt, vergangene Fehler wettzumachen und in diesem zentralen Bereich eine Vorreiterrolle für Deutschland und Europa einzunehmen.

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